,,das weißt du doch, das kannst du doch, das konntest du immer!“

„Schön, dass sich jemand um das Thema Demenz kümmern will, es wird wohl immer dringlicher. Wir haben diese Diagnose 2012 bekommen. Meine Frau war gerade in Rente gegangen und ich stand kurz davor. Der Auslöser war ein Krankenhausaufenthalt bei dem sie einige Formulare nicht mehr ausfüllen konnte. Der behandelnde Arzt empfahl eine neurologische Untersuchung und einschlägige Testungen ergaben die Diagnose: beginnende Frontotemporale Demenz.
Nachdem ich mich mit dem Thema beschäftigt hatte, ahnte ich nicht im Entferntesten, was da auf die ganze Familie zukommt. Innerhalb kurzer Zeit verlor sie den Umgang mit Zahlen: die Geldbörse war immer überfüllt mit Münzen. Sie zahlte immer mit Scheinen, konnte das Restgeld nicht nachzählen. Das Schriftbild veränderte sich, innerhalb der Zeile wurde die Schrift kleiner und fiel zum Ende der Zeile ab. Entscheidungen fielen immer schwerer. Da das Alles langsam fortschreitet, fällt das innerhalb der Familie nicht so schnell auf. 2016 verbot der Neurologe das Autofahren. Das war ein tiefer Einschnitt in ihr Leben, wenn auch notwendig. Leider bringt die Frontotemp. Demenz auch eine steigende Aggression mit sich. Fragen, die sie nicht beantworten konnte, lösten Schimpfen aus. Versuche, irgendetwas zu prüfen (,,das weißt du doch, das kannst du doch, das konntest du immer!,,) lösten Aggressionen aus. Orientierungsverlust war vorhanden: Spaziergänger brachten sie nach Hause, um von einem Sturz aufzustehen, benötigte sie Hilfe. 2017 kommen körperliche Probleme dazu. Harnverhalt durch eine Senkung, Problemlösung Katheter, unkontrollierter Stuhlgang, Gangstörungen bis hin zum Rollstuhl. Kommunikationsstörung bis zur Schweigsamkeit, starre Mimik, Empathieverlust. Es kommt so Vieles zusammen, was ich selbst vergessen oder verdrängt habe im Laufe der Zeit. Eine solche Erkrankung stellt jegliche Zukunftspläne auf den Kopf.“


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